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Auf den Straßen von Frankfurt 

Drogen, Junkies, Obdachlose so kennt man das Bahnhofsviertel Frankfurt. Ich wollte wissen wie es soweit kommen kann und was die Menschen erlebt haben um auf der Straße zu landen. Ich besuchte das Bahnhofsviertel und führte Interviews mit Obdachlosen, Dealer und Junkies. 

Obwohl ich mich nicht immer ganz wohl dabei fühlte, wurden wir freundlich aufgenommen und uns wurden alle Fragen offen beantwortet. 

Wir lernten ein Ehepaar kennen, dass seit 4 Jahren auf der Straße lebt. Geld verdienen sie sich durch Straßenmusik mit einer Ziehharmonika. Sie zeigten uns ihren Schlafplatz, der sich  zwischen dem Eingang von 2 Geschäften befand. 

Als nächstes lernten wir Ada kennen. Sie nahm sich viel Zeit für uns und erzählte uns ihre Geschichte. Sie ist gelernte Krankenschwester, hat eine Tochter und einen Ehemann. Sie lebten zusammen in einem Haus in Marburg. Sie beschrieb ihr Leben damals als Paradies „Das leben war schön!“. 

Angefangen hat es mit ihrem Mann, der nachts nicht mehr nachhause kam. Er verbrachte seine Zeit immer mehr mit Drogen im Bahnhofsviertel. Nach 3 Monaten und immer mehr Neugier probierte auch sie die Drogen. Sie gaben viel Geld aus und lebten im Rausch. Nach 2 Wochen wollte sie das Bahnhofsviertel wieder verlassen. Sie merkte jedoch wenn sie keine Drogen nimmt geht es ihr schlechter, also blieb sie. Sie verlor die Angst vor den Drogen, dachte sie steht über allem. „Noch gehörten wir ja nicht dazu wir sahen ja nicht so aus wie Junkies“.

Nach 2 Monaten machte sie einen Schwangerschaftstest, dieser war positiv.

Sie ging zum Jugendamt und erklärte sich als Konsumentin „Ich vertraute mir selbst nicht“

Sie hörte sofort mit dem Drogen Konsum auf und schaffte es anderthalb Jahre clean zu bleiben. „Wir waren sau glücklich. Nur ich war sehr unmenschlich, ich war sehr sehr hübsch, sehr arrogant, nichts war genug. Ich wurde immer verurteilt, ich habe mir geschworen ich werde es raushauen, aber ich hab zu viel erwartet“

Dann sind sie zusammen wieder Rückfällig geworden. 

„Mein Mann zeigte mit das Spritzen von Heroin wir kamen immer wieder zum Bahnhofsviertel.“

 „Stein war mein Untergang“ Irgendwann brachte sie dann ihre Tochter zu ihrer Mutter. Seitdem sind sie täglich im Bahnhofsviertel. Sie machten Therapien und Entzüge, doch zogen sich selbst immer wieder runter. 

Momentan lebt sie in einem Hotel, ihr Mann ist im Gefängnis. „Wir sind eh nicht mehr zusammen, oder doch….? Ich weiß es nicht, Drogen tun halt alles vergessen“ 

Sie geht anschaffen und kann so ihren Drogenkonsum bezahlen. „Ich sag mal so, ich lauf rum und lerne irgendwelche deutschen alten Männer kennen, die sind mir sympathisch. Aber jedesmal wenn du anschaffen gehst, ist es eine Vergewaltigung an deiner Seele.“ 

Ada braucht 200-300 € am Tag, um ihren Konsum zu bezahlen. Sie hat immer noch Kontakt zu ihrer Tochter und ihrer Mama. Aber nur im nüchternen Zustand besucht sie Ihre Tochter. „Clean und anständig geh ich da hin, ich bin am Kämpfen, ich bleibe nicht hier und kack ab“  

Schon mehrmals hat sie Therapien abgeschlossen, doch danach wusste sie nicht wohin sie gehen soll, also ging sie wieder zurück. 

Jetzt hofft sie, dass ihr Mann aus dem Gefängnis wieder rauskommt und keine 5 Jahre Haft bekommt. 

Als nächstes lernten wir einen Dealer kennen. 44 Jahre und Polytox. 

„Es hat sich so ergeben mit 24 Jahren“. 

Wir fragten ihn was der ausschlaggebende Grund war hier zu landen. Als Antwort bekamen wir, wie bei fast allen befragten Interviewer „die Neugier“ einfach nur das Ausprobieren. Auch bei diesem Drogenabhängigen hat es ganz harmlos angefangen, er hat Marihuana geraucht und wollte mehr. 

Während unseres Interviews kommen immer wieder neue Kunden, Die bei etwas kaufen. Links und rechts von uns wird Stein geraucht und Heroin gespritzt. 

Er steht vor uns und schmeißt die roten Münzen auf den Boden während hinter ihm weitere nach einem Euro fragen.  „Ich will kein Kleingeld“ 

Ein paar Krümmel Stein kosten bei ihm 5€. 

„Ich hab schon alles gemacht, ich hab viel gearbeitet. Jetzt befriedige ich hier alle, ich mach hier den Professor, ich schaffe hier die Depressionen weg“

Momentan hat er kein Schlafplatz und ist seit 9 Tagen wach. Begründung: „Ich will hier nicht auf dem Boden schlafen, deswegen bleibe ich wach“ 

 

Mein Erlebnis im Bahnhofsviertel 

Erst durch die Akzeptanz des Drogendealers kam ich mit anderen Drogen Konsumenten ins Gespräch. So konnte ich einen kleinen Einblick gewinnen in das Leben von Dealern, Obdachlosen und Konsumenten.

Joy